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KI Insider · Newsletter-Archiv

Eine Million Klicks auf LinkedIns AI-Slop-Button

Ausgabe vom 28.08.2026 · von Alex Khan und Team

Hallo und schön, dass du wieder dabei bist.

Diese Woche saß ich bei einem Workshop mit einem Handwerksbetrieb, und ein Teilnehmer sagte einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist: "Ich poste seit einem Jahr mit ChatGPT auf LinkedIn und kriege trotzdem keine Anfragen." Ich habe mir seine letzten zehn Beiträge angeschaut. Alle korrekt. Alle glatt. Alle austauschbar. Und LinkedIn hat jetzt offiziell angefangen, genau sowas zu bestrafen.

Deshalb heute: was du an deinen Posts sofort ändern solltest, eine ziemlich verstörende Amazon-Geschichte, und warum deine KI-Rechnung im nächsten Jahr höher wird, als du denkst.

  • Eine Million Klicks auf einen Button, der deine Reichweite killt
  • Amazon schneidet Büchern die Rücken ab und wirft die Seiten danach weg
  • Warum nicht Menschen, sondern Software die KI-Kosten treibt

LinkedIn hat einen Button gebaut, der deine Reichweite halbiert

Seit ein paar Wochen kann jeder Nutzer auf LinkedIn Beiträge über das Drei-Punkte-Menü als "Seems like AI slop" markieren. Über eine Million Mal wurde dieser Button laut LinkedIn-Produktchef Hari Srinivasan bereits geklickt. Eine Million. Der Frust ist offenbar riesig.

Was passiert mit den gemeldeten Posts? Sie werden nicht gelöscht. Sie verschwinden leise. LinkedIn nutzt die Meldungen, um seine Erkennungsmodelle zu trainieren, und spielt entsprechende Beiträge seltener in den Empfehlungen aus. Das Ergebnis laut Srinivasan: Posts, die als AI Slop eingestuft werden, bekommen inzwischen 40 Prozent weniger Aufrufe als noch vor wenigen Wochen.

Und das Problem ist groß. Pangram hat im Juli untersucht, wie viele längere LinkedIn-Beiträge komplett aus der Maschine kommen: rund 41 Prozent bei Posts über 250 Wörtern. Kein anderes Netzwerk im Test lag höher.

Ehrlich? Ich finde das gut. Nicht weil KI böse wäre, ich schreibe selbst jeden Tag mit ihr. Sondern weil das die Faulheit bestraft, nicht das Werkzeug. LinkedIn schmeißt sogar die eigene Funktion "Enhance your post" raus, die Texte automatisch umformuliert hat, und ersetzt sie durch ein Proofreading-Tool, das nur die Sprache glättet und deinen Stil in Ruhe lässt. Deutlicher kann eine Plattform ihre Position nicht machen.

Dein To-do für den nächsten Post: Schreib die erste Fassung selbst, in drei Stichpunkten, per Sprachnachricht ans Handy diktiert. Dann lass die KI daraus einen Text bauen und gib ihr die Anweisung: "Behalte meine Formulierungen, meine Beispiele und meine Zahlen bei. Streiche jeden Satz, der auch in einem beliebigen anderen Post stehen könnte." Der Unterschied ist sofort sichtbar.

Den ganzen Artikel bei OnlineMarketing.de lesen

Genau das ist übrigens der Teil, den die meisten falsch machen: Sie lassen die KI schreiben, statt sie schreiben zu lassen, wie SIE schreiben. Wie du ChatGPT deine eigene Stimme beibringst, mit fertigen Prompts und Beispielen aus der Praxis, zeige ich Schritt für Schritt in der KI Masterclass.

Amazon kauft 1.000 Bücher auf einmal, scannt sie und wirft sie weg

Diese Geschichte hat mich diese Woche wirklich beschäftigt. 404Media hat einen Tracker in eine Bücherlieferung geschmuggelt und ist damit in einem Amazon-Lagerhaus in Las Vegas gelandet. Name: VGT3. Im Logo: ein Dinosaurier, der ein Buch zerfetzt. Man kann Amazon vieles vorwerfen, mangelnden Humor nicht.

Jetzt haben sich Mitarbeiter dort anonym gemeldet und den Ablauf bestätigt. Den Büchern wird der Rücken abgeschnitten, jede Seite läuft durch automatische Scanner, die einer der Mitarbeiter mit Geldzählmaschinen vergleicht. Danach landen die losen Seiten in großen Kartons, verschiedene Bücher durcheinander, und werden vermutlich entsorgt. Zurücksortieren wäre unmöglich.

Dabei sind nicht nur Neuware und Gebrauchtes aus dem Handel: Bücher aus der Universität London, deutsche, russische und japanische Titel, sogar Regierungsdokumente. Ein Mitarbeiter sagt, man habe ihnen zuerst erzählt, das sei für die Kindles, aber er habe es nie geglaubt, wegen der Lizenz- und Urheberrechte. Amazon selbst sagt nur, man kaufe Bücher "über kommerzielle Wege", um eigene Produkte zu verbessern.

Meine Einordnung: Das ist ein Vorgeschmack darauf, wie knapp gutes Trainingsmaterial geworden ist. Wenn ein Konzern lieber physische Bücher zerhäckselt, als Lizenzen zu verhandeln, dann sind wir an dem Punkt, an dem Inhalte Rohstoff sind. Und das betrifft dich direkter, als du denkst: Deine Blogartikel, deine Fachbeiträge, deine PDFs sind derselbe Rohstoff.

Was du jetzt tun kannst: Schau einmal in deine Website-Einstellungen und entscheide bewusst, ob du KI-Crawler zulassen willst oder nicht. Beides kann richtig sein. Wer in ChatGPT und Perplexity als Quelle auftauchen will, lässt sie rein. Wer von seinen Inhalten lebt, sperrt sie über die robots.txt aus. Nur nicht entscheiden ist die schlechteste Variante.

Die Details bei t3n

Nicht Menschen treiben die KI-Kosten, sondern Agents

Neue Zahlen von OpenRouter, aufbereitet von Andreessen Horowitz: KI-Agents verbrauchen inzwischen fast fünfmal so viele Tokens wie menschliche Nutzer. 7,3 Billionen Tokens im Sieben-Tage-Schnitt. Seit Februar hat sich die agentische Nutzung etwa vervierzehnfacht.

Wichtig zum Verständnis, weil die Zahl gern falsch gelesen wird: Es gibt nicht mehr Agents als Menschen. Ein einziger Agent stellt für eine einzige Aufgabe eben zehn oder zwanzig Anfragen hintereinander und schleppt jedes Mal den ganzen Kontext mit. Eine agentische Anfrage frisst laut OpenRouter im Schnitt rund 15-mal so viele Tokens wie eine menschliche.

Warum dich das interessieren sollte, auch wenn du nie eine API anfassen wirst: Diese Last landet irgendwann in den Preisen. Der schnelle Speicher in den Rechenzentren wird knapp, die Hersteller kommen mit der Produktion nicht hinterher, und das drückt am Ende sogar auf die Preise für ganz normale PCs und Smartphones. Wer heute eine Automatisierung baut, die alle zehn Minuten losläuft, sollte einmal nachrechnen, was die im Dezember kostet.

Noch ein Detail, das ich spannend finde: Der Traffic der klassischen Automatisierer geht zurück, n8n minus 12 Prozent, Zapier minus 13, Make minus 14 innerhalb von zwölf Wochen. Der KI-native Anbieter Gumloop legte im selben Zeitraum um 64 Prozent zu. Das ist noch kein Beweis für eine Verdrängung, Website-Besuche sagen wenig über die tatsächliche Nutzung. Aber die Richtung stimmt nachdenklich.

Dein To-do: Geh einmal durch deine laufenden Automatisierungen und prüfe, welche wirklich jede Minute triggern müssen. Bei den meisten reicht einmal am Tag. Das ist die günstigste Optimierung, die du diese Woche machen kannst.

Die Studie im Detail

Meine eine Sache für diese Woche, wenn du nur eine machst: Nimm deinen letzten LinkedIn-Post, lies ihn laut vor und streiche jeden Satz, den auch dein Wettbewerber hätte schreiben können. Was übrig bleibt, ist dein eigentlicher Post. Meistens ist er halb so lang und doppelt so gut.

Bis nächsten Freitag, Alex

P.S.: Wenn du KI-Texte schreiben willst, die nach dir klingen statt nach jedem anderen, dann ist die KI Masterclass genau dafür gebaut.

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