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Projekt besprechen

KI-Tools · 6 Min. Lesezeit

PhotoCraft und ArtCraft: Adobe-Apps kostenlos mit KI nachgebaut

Ein Entwickler hat mit KI eine ganze Software-Suite nachgebaut: PhotoCraft sieht aus wie Photoshop, kostet nichts und hat über 60.000 Sterne auf GitHub. Was die Apps heute können, wie die Rechtslage einzuordnen ist und was das für den Wert von Software bedeutet.

Porträt von Alex Khan
Alex KhanGründer Attractive Media, über 15 Jahren Agenturerfahrung

Ein Entwickler aus Atlanta hat mit KI nachgebaut, woran große Softwarehäuser jahrzehntelang gearbeitet haben. Das bekannteste Stück daraus heißt PhotoCraft, sieht aus wie Photoshop, funktioniert in weiten Teilen auch so und kostet nichts. Über 60.000 Sterne auf GitHub in kurzer Zeit zeigen, wie groß die Aufmerksamkeit ist. Ich habe PhotoCraft selbst ausprobiert und war ehrlich überrascht, wie weit das Projekt schon ist. Gleichzeitig gibt es einen Haken, über den in den meisten Beiträgen zum Thema kaum jemand spricht.

KI-Klone von Adobe-Apps kostenlosInstagram · Alex Khan

Mit dem Abspielen wird das Video von Instagram geladen.

Was ist PhotoCraft und was steckt dahinter?

PhotoCraft ist Teil der Open-Source-Suite ArtCraft. Was als Adobe-Alternative begann, geht inzwischen deutlich weiter. Laut der offiziellen Seite getartcraft.com umfasst die Suite mittlerweile 13 Anwendungen: PhotoCraft für Bildbearbeitung, VectorCraft für Vektorgrafik, FilmCraft für Videoschnitt, LightCraft für Fotobibliothek und RAW-Entwicklung, PdfCraft für PDF, EffectCraft für Motion Graphics und Effekte, DesignCraft für Seitenlayout, FigCraft für Interface-Design und Prototyping, WordCraft für Textverarbeitung, SoundCraft für Audio, DeckCraft für Präsentationen, CADCraft für CAD und GridCraft für Tabellen. Alles kostenlos, ohne Abo, quelloffen.

Übersicht der 13 Apps der ArtCraft-Suite, von PhotoCraft bis GridCraft

Das heißt: Es geht längst nicht mehr nur um Photoshop, Illustrator und Lightroom. Mit WordCraft, DeckCraft und GridCraft stehen auch Alternativen zu Word, PowerPoint und Excel im Raum.

Hinter dem Projekt steht der Softwareentwickler Brandon Thomas, 15 Jahre Berufserfahrung. Geschrieben hat er die Apps mit Anthropics KI-Modell Claude Opus 5.5. Nach eigenen Angaben hat sich der Entwicklungsprozess dadurch deutlich beschleunigt. PhotoCraft selbst ist laut Projektseite auf GitHub komplett neu in der Programmiersprache Rust geschrieben und läuft auf macOS, Windows, Linux und im Browser. Die Lizenz ist MIT beziehungsweise Apache-2.0.

Wie gut ist PhotoCraft wirklich?

Split-Screen-Vergleich zweier Bildbearbeitungsoberflächen mit Werkzeugleisten und Ebenenpaletten auf Monitor

Der erste Eindruck ist stark. Die Oberfläche erinnert sofort an das Original: Werkzeugleiste, Ebenen und Farbfelder sitzen dort, wo man sie erwartet. Wer mit Photoshop sozialisiert ist, findet sich in Minuten zurecht.

PhotoCraft-Oberfläche mit Werkzeugleiste, Ebenen und Farbfeldern, geöffnet ist ein Standbild aus Alex Khans Video

Und jetzt der ehrliche Teil, den du vor dem Download wissen solltest: Das Projekt bezeichnet sich selbst als frühe Alpha-Version und sagt ausdrücklich, dass es kein Ersatz für Photoshop im professionellen Tagesgeschäft ist. Viele der 13 Apps stehen noch weiter am Anfang und decken längst nicht alle Funktionen ihrer Vorbilder ab. Wer eine Kampagne mit Abgabetermin durchzieht, sollte sein bestehendes Setup nicht über Nacht austauschen.

Interessant für alle, die mit KI arbeiten: PhotoCraft lässt sich über eine Schnittstelle für KI-Agenten steuern, das sogenannte MCP. Damit kann ein Modell Bearbeitungsschritte im Programm selbst ausführen, statt dass du jeden Klick machst. Wenn du dich fragst, wohin diese Entwicklung läuft, lohnt ein Blick darauf, was KI-Agenten heute schon übernehmen können.

Wo du PhotoCraft sicher herunterlädst

Nahaufnahme einer Hand am Laptop beim Download einer Software von einer offiziellen Webseite

Lade die Apps ausschließlich über die offizielle Seite getartcraft.com oder das offizielle GitHub-Repository. Rund um jeden Hype tauchen innerhalb weniger Tage Seiten mit ähnlichen Namen auf, die angebliche Installer anbieten. Bei kostenloser Software mit viel Aufmerksamkeit ist das ein klassisches Einfallstor für Schadsoftware. Prüfe den Namen in der Adresszeile, bevor du etwas installierst.

Zweiter Praxistipp: Teste die Apps zuerst an Kopien deiner Dateien, nicht an Originalen. Eine Alpha-Version darf abstürzen, dein Projektordner sollte das nicht ausbaden.

Das ist die Frage, die gerade jeder stellt. Brandon Thomas sagt, er habe keine einzige Zeile fremden Code verwendet. Entwickelt wurde im sogenannten Clean-Room-Verfahren, also ausschließlich aus öffentlichen Spezifikationen und beobachtetem Verhalten der Programme.

Eine Einordnung ohne Rechtsberatung: Geschützt ist im Kern der konkrete Programmcode und die konkrete Ausgestaltung einer Software. Die bloße Idee, dass ein Programm Bilder bearbeitet, Tabellen rechnet oder Präsentationen baut, ist das nicht. Genau deshalb existieren seit Jahrzehnten Alternativen zu bekannten Programmen.

Ob das im konkreten Fall hält, ist offen. Ob ein Clean-Room-Verfahren wirklich sauber war, lässt sich von außen kaum prüfen, im Streitfall müsste das ein Gericht klären. Heißt für dich: Verlasse dich nicht darauf, dass das Projekt in dieser Form dauerhaft verfügbar bleibt.

Was ist Software noch wert, wenn KI sie nachbaut?

Das ist für mich der eigentliche Punkt, und er betrifft nicht nur Designer. Wenn eine Handvoll Leute mit KI in Wochen baut, wofür früher große Teams und Jahre nötig waren, verschiebt sich die Frage, wofür wir eigentlich zahlen.

Meine Einschätzung: Der Vorsprung großer Anbieter liegt künftig immer weniger in einzelnen Funktionen. Funktionen lassen sich kopieren, und zwar schneller und billiger als je zuvor. Was sich schwer kopieren lässt, ist der Rest drumherum: gewachsene Ökosysteme, Integrationen in bestehende Workflows, Schnittstellen zu anderen Programmen, Datenbestände, Zuverlässigkeit unter Last, Support, Markenbekanntheit und Vertrauen. Genau darin steckt der Wert, für den Unternehmen auch morgen noch zahlen.

Für dich als Unternehmer oder Marketing-Verantwortlicher heißt das zweierlei. Erstens: Der Abo-Druck sinkt. Es wird realistischer, einzelne Aufgaben mit kostenlosen Werkzeugen zu erledigen, statt für jeden Kollegen eine Vollversion zu buchen. Zweitens: Der Wettbewerbsvorteil verschiebt sich vom Werkzeug zur Fähigkeit. Wer nur Photoshop konnte, hatte früher einen Vorsprung. Heute zählt, wie gut du Ideen entwickelst und wie konsequent du sie umsetzt.

Für wen lohnt sich ein Test jetzt schon?

Sinnvoll ist PhotoCraft aus meiner Sicht für vier Gruppen. Für Selbstständige und kleine Teams, die bisher ein teures Abo für wenige Handgriffe im Monat zahlen. Für Einsteiger, die Bildbearbeitung lernen wollen, ohne vorher eine Rechnung zu bekommen. Für Technikinteressierte, die sehen wollen, wie weit KI-gestützte Entwicklung heute wirklich trägt. Und für alle, die ohnehin gerade ihren Tool-Stack prüfen.

Nicht sinnvoll ist der Wechsel, wenn du Kundenprojekte mit festen Abgabeterminen fährst, komplexe Dateien mit Partnern austauschst oder auf Funktionen angewiesen bist, die nur im Original existieren. Dann gilt: ausprobieren ja, umstellen nein.

Wenn du ohnehin dabei bist, deine Werkzeuge zu sortieren, hilft dir unser ehrlicher Überblick, welche KI-Tools sich wirklich lohnen. Und für den konkreten Alltag mit Bildern findest du im Guide zum Thema KI-Bilder bearbeiten die Praxisschritte inklusive Rechtslage.

Mein Fazit

PhotoCraft ist noch kein Photoshop-Ersatz, und das sagt das Projekt selbst. Aber es ist ein Signal, das man nicht ignorieren sollte. Die Hürde, komplexe Software zu bauen, ist gefallen. Was früher Kapital und Zeit brauchte, braucht heute vor allem eine klare Idee und jemanden, der KI sauber einsetzt.

Lade dir die Suite über die offizielle Seite, probiere zwei oder drei Apps an unkritischen Aufgaben aus und entscheide danach mit eigenen Augen. Das dauert eine Stunde und sagt dir mehr als jede Meinung im Netz.

Bleibt die Frage, die mich am meisten beschäftigt: Was ist Software künftig noch wert, wenn sich ihre Funktionen immer schneller und günstiger nachbauen lassen? Schreib mir, wie du das siehst, und ob du PhotoCraft schon getestet hast.

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Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.

Porträt von Alex Khan
Über den Autor Alex Khan

Gründer von Attractive Media, Social-Media-Agentur in München, und von Attractive Accounts. Über 15 Jahre Agenturerfahrung mit L’Oréal, WELLA, Immowelt und Dallmayr, dazu über 200.000 Follower auf seinen Kanälen. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert. Für Teams gibt es das Wissen auch als ChatGPT-Workshop.