Jahrelang war der Widerspruch gegen KI-Training ein Flickenteppich: hier GPTBot sperren, da Google-Extended ausschließen, dort irgendeinen neuen Crawler nachtragen, von dem du erst erfährst, wenn er schon da war. Jetzt soll ein gemeinsamer KI-Opt-out kommen. Google, Microsoft und OpenAI wollen ein einheitliches Signal unterstützen, und der Entwurf dazu stammt ausgerechnet aus dem Haus der Konkurrenz. Das ist eine kleine Sensation, berichtet onlinemarketing.de.
Was der gemeinsame KI-Opt-out konkret ändert

Der Entwurf kommt von Kevin Kelley, der bei Anthropic im Bereich technischer Standards arbeitet. Laut seiner Mitteilung an die Arbeitsgruppe der IETF arbeitet auch Anthropic bereits an der Umsetzung. Die Idee ist angenehm unspektakulär: zwei Zeilen statt einer Sammlung von Einzelregeln pro Anbieter. Ein Eintrag, der für alle gilt, die mitmachen.
Warum das wichtig ist: Bisher war der Schutz eigener Inhalte eine Fleißaufgabe für Leute mit Zeit und technischem Zugang. Kleine Marken, Agenturen und Creator haben es schlicht nicht gemacht, weil der Aufwand in keinem Verhältnis stand. Ein Standard senkt diese Hürde. Meine Einschätzung: Dass vier Wettbewerber sich auf ein Signal einigen, hat weniger mit Nächstenliebe zu tun und mehr mit dem Wunsch, regulatorischem Druck zuvorzukommen. Das macht das Ergebnis nicht schlechter, aber es sollte dich wachsam halten.
Solltest du KI-Training für deine Inhalte wirklich blockieren?
Hier kommt der Haken, den viele übersehen. Je nach Anbieter und Einstellung kann eine Sperre auch dazu führen, dass deine Inhalte in bestimmten KI-Antworten nicht mehr als Quelle auftauchen. Du schützt also nicht nur, du machst dich unter Umständen unsichtbar.
Für die meisten Unternehmen, die ich berate, ist genau das der falsche Tausch. Wenn deine Website Leistungen verkauft, willst du in ChatGPT, Gemini und Copilot genannt werden. Sichtbarkeit in KI-Antworten ist der neue Kampf um Platz eins, und wer freiwillig aussteigt, überlässt das Feld dem Wettbewerb. Wie das in der Praxis aussieht, habe ich hier aufgeschrieben: Platz 1 bei Google, trotzdem keine Sichtbarkeit in ChatGPT.
Anders sieht es aus, wenn dein Geschäftsmodell die Inhalte selbst sind. Publisher, Kursanbieter, Fotografen, Datenbanken: Da ist jeder Absatz Kapital, und der Traffic-Rückgang ist real. Dass Websites unter KI-Antworten Besucher verlieren, zeigen die Zahlen deutlich, siehe Web-Traffic sinkt: was der Digital 2027 Report bedeutet.
Was ist mit Geld für deine Inhalte?
Google testet bereits ein Vergütungsmodell für Publisher, deren Inhalte wesentlich zu KI-Antworten beitragen. Klingt gut, hat aber einen Haken: Wer bezahlt wird und wie hoch die Vergütung ausfällt, entscheidet Google selbst. Das ist kein Markt, das ist ein Trinkgeld mit Hausrecht. Ein Opt-out-Standard verschiebt zumindest die Verhandlungsposition, weil ein Nein technisch endlich leicht zu geben ist.
Was du jetzt tun solltest

Drei Schritte, die heute Sinn ergeben. Erstens: Schau nach, welche KI-Crawler du aktuell blockierst, und ob das noch deiner Strategie entspricht. Viele Sperren stammen aus Panik-Entscheidungen und niemand hat sie je überprüft. Zweitens: Triff eine bewusste Entscheidung pro Inhaltstyp. Blog und Ratgeber offen, damit du als Quelle genannt wirst, Bezahlinhalte und Kursmaterial geschlossen. Drittens: Behalte den Standard im Auge und setze ihn um, sobald er final ist. Wann genau das ist, steht noch nicht fest.
Und eine Haltung noch dazu: Verlass dich nicht darauf, dass Plattformen deine Interessen schützen. Wie schnell sich Nutzungsregeln ändern, zeigt der Blick auf Metas Nutzungsbedingungen zum Scraping. Ein Standard ist ein Fortschritt, kein Schutzschild.
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Häufige Fragen
Ab wann kann ich den gemeinsamen KI-Opt-out nutzen?
Ein konkreter Starttermin ist bisher nicht bekannt. Der Entwurf liegt bei der IETF-Arbeitsgruppe, Anthropic arbeitet laut der Mitteilung von Kevin Kelley bereits an der Umsetzung, und Google, Microsoft sowie OpenAI haben Unterstützung signalisiert. Bis es so weit ist, gelten weiterhin die bestehenden Einzelregeln pro Anbieter.
Verliere ich Sichtbarkeit, wenn ich KI-Training ausschließe?
Möglich ist es. Je nach Anbieter und Einstellung kann eine Sperre dazu führen, dass deine Inhalte in bestimmten KI-Antworten nicht mehr als Quelle erscheinen. Deshalb lohnt sich die Unterscheidung zwischen Training und Nutzung in Antworten, bevor du pauschal alles dichtmachst.
Gilt der Opt-out auch für meine Social-Media-Inhalte?
Nein. Der Entwurf zielt auf Website-Betreiber und darauf, was Crawler auf deiner eigenen Domain lesen dürfen. Was mit Beiträgen auf Instagram, TikTok oder LinkedIn passiert, regeln die Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform, und die sind davon unabhängig.
Bekomme ich Geld, wenn KI-Systeme meine Inhalte verwenden?
Einen allgemeinen Anspruch gibt es nicht. Google testet ein Vergütungsmodell für Publisher, deren Inhalte wesentlich zu KI-Antworten beitragen, entscheidet aber selbst über Teilnehmer und Höhe. Für die meisten Unternehmen ist das aktuell keine Einnahmequelle, sondern allenfalls ein Signal, dass Bewegung in das Thema kommt.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.