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Instagram · 8 Min. Lesezeit

Was ist eine gute Engagement Rate? Formel, Benchmarks und Hebel

Likes allein sagen nichts. Erst im Verhältnis zu deiner Followerzahl wird daraus eine Kennzahl, mit der du arbeiten kannst. Hier findest du die Formel, die Benchmarks nach Kontogröße, die Unterschiede zwischen Instagram, LinkedIn und TikTok und die Hebel, mit denen du deine Rate wirklich hebst.

Porträt von Alex Khan
Alex KhanGründer Attractive Media, über 15 Jahren Agenturerfahrung

Das Engagement ist der wichtigste Messwert für die Qualität und Relevanz deines Contents: alle Likes, Kommentare, Shares und Saves auf deine Beiträge. Doch was ist eine gute Engagement Rate? Die Antwort hängt von deiner Followerzahl ab, und genau deshalb führen absolute Like-Zahlen in die Irre. 300 Likes können bei einem Konto ein Ausnahmeergebnis sein und beim nächsten ein Warnsignal. Erst wenn du die Interaktionen ins Verhältnis zu deiner Reichweite oder deiner Community setzt, bekommst du eine Zahl, mit der du planen kannst.

Und genau darum geht es bei dieser Kennzahl: Sie ist kein Pokal, den du dir an die Wand hängst, sondern ein Messinstrument. Sie sagt dir, welche Themen deine Leute wirklich anfassen, welche Formate sie nur vorbeiscrollen lassen und ob dein Konto insgesamt noch mit den Menschen redet, die dir gefolgt sind.

Die Formel: so berechnest du deine Engagement-Rate

Pro Beitrag rechnest du: (Likes + Kommentare) geteilt durch Followerzahl, mal 100.

Ein Rechenbeispiel macht es greifbar: Du hast 1.000 Follower, ein Beitrag bekommt 50 Likes und 7 Kommentare. Das sind 57 Interaktionen. 57 geteilt durch 1.000 ergibt 0,057, mal 100 sind das 5,7 Prozent. Zweites Beispiel: 10.000 Follower und 240 Interaktionen auf einen Beitrag ergeben 2,4 Prozent. Du siehst schon hier, wie stark die Basiszahl das Ergebnis bestimmt.

Neben dieser Standardformel gibt es drei Varianten, die dir in Tools und Reportings begegnen. Es lohnt sich, sie zu kennen, damit du nicht Äpfel mit Birnen vergleichst:

  • Engagement-Rate nach Followern: Interaktionen geteilt durch Follower. Das ist der Wert, auf den sich die meisten Benchmarks beziehen, auch die Tabelle weiter unten.
  • Engagement-Rate nach Reichweite: Interaktionen geteilt durch die erreichten Konten. Diese Zahl fällt fast immer höher aus, weil deine Beiträge nie alle Follower erreichen.
  • Engagement-Rate nach Impressionen: Interaktionen geteilt durch alle Ansichten, inklusive Mehrfachansichten. Der niedrigste der drei Werte, in Ads-Reportings verbreitet.
  • Durchschnittliche Engagement-Rate über mehrere Beiträge: Du rechnest jeden Beitrag einzeln und bildest dann den Durchschnitt. So gleichen sich Ausreißer aus.

Wichtig ist nur eines: Entscheide dich für eine Variante und bleibe dabei. Wenn du diesen Monat nach Reichweite rechnest und nächsten Monat nach Followern, sieht dein Wachstum aus wie ein Sprung, obwohl sich nichts verändert hat. Notiere dir am besten schriftlich, welche Formel du nutzt, gerade wenn du die Zahlen an Kunden, Chefs oder Kooperationspartner weitergibst.

Benchmarks: gute Werte nach Followerzahl

FollowerzahlGute Engagement-Rate
unter 1.000ab 8 %
1.000 bis 5.000ab 5,7 %
5.000 bis 10.000ab 4 %
10.000 bis 100.000ab 2,4 %
über 100.000ab 1,7 %

Dass die Werte mit der Größe sinken, ist normal: Je größer ein Konto, desto mehr passive Follower sammeln sich an. Deshalb liefern kleine Konten mit enger Community oft die stärksten Raten, was sie übrigens auch für Kooperationen interessant macht. Ein Konto mit 2.000 Followern und 6 Prozent Interaktion erreicht in einer klar umrissenen Nische oft mehr echte Menschen als ein Konto mit 80.000 Followern und einer Rate knapp über einem Prozent.

Nimm die Werte als Orientierung, nicht als Note. Ein Steuerberater mit einem sachlichen Fachprofil wird selten die Raten eines Food-Accounts erreichen, weil die Themen unterschiedlich stark zum Kommentieren einladen. Fällt deine Rate dauerhaft deutlich unter den Richtwert für deine Größe, ist das ein Hinweis, dass Thema, Format oder Zielgruppe nicht zusammenpassen. Liegst du darüber, hast du eine Community, die dir zuhört, und solltest genau schauen, warum.

Was eine gute Engagement Rate je Plattform bedeutet

Die Benchmarks oben sind ein guter Startpunkt, aber jede Plattform zählt anders und belohnt anderes Verhalten. Ein Wert, der auf Instagram solide aussieht, kann auf Facebook stark und auf TikTok schwach sein.

  • Instagram: Hier zählen neben Likes und Kommentaren vor allem Saves und Shares. Reels erreichen oft viele Nicht-Follower, dadurch kann die Rate nach Followern sehr hoch aussehen, während die Rate nach Reichweite unauffällig bleibt.
  • LinkedIn: Kommentare wiegen schwerer als Likes, weil sie deinen Beitrag in fremde Feeds tragen. Die meisten Reportings arbeiten hier mit Impressionen als Basis, deshalb fallen die Prozentwerte optisch niedriger aus.
  • TikTok: Die Plattform verteilt Reichweite unabhängig von deiner Followerzahl. Eine Rate nach Followern ist hier fast nutzlos, sinnvoll sind Interaktionen im Verhältnis zu den Views und die Watchtime.
  • Facebook: Organische Reichweite ist knapp, Interaktion passiert oft in Gruppen und Kommentaren statt am Beitrag selbst. Miss hier lieber nach Reichweite als nach Followern.

Wenn du auf mehreren Kanälen unterwegs bist, führe die Werte getrennt. Ein Mischwert über alle Plattformen sieht in einer Präsentation ordentlich aus, sagt dir aber nichts darüber, wo du nachlegen musst. Welche Plattform überhaupt zu dir passt, klärst du am besten vorher: Dazu haben wir den Unterschied zwischen Instagram und TikTok ausführlich aufgeschrieben.

So nutzt du die Zahl richtig

Vergleiche dich zuerst mit dir selbst: Berechne die Rate für deine letzten zehn Beiträge und schau, welche Formate und Themen darüber liegen. Davon machst du mehr. Der Vergleich mit den Benchmarks zeigt dir dann, wo du insgesamt stehst. Die beiden stärksten Hebel für mehr Interaktion: Captions, die zum Antworten einladen, und die beste Zeit zum Posten.

In der Praxis hat sich dieser Ablauf bewährt:

  • Lege eine einfache Tabelle an: Datum, Format, Thema, Follower zum Zeitpunkt des Postens, Likes, Kommentare, Saves, Rate.
  • Trage nach jedem Beitrag ein, spätestens 48 Stunden nach dem Posten, damit die Zahlen vergleichbar bleiben.
  • Sortiere einmal im Monat nach Rate und markiere die drei besten und die drei schwächsten Beiträge.
  • Suche das Muster: Ist es das Format, das Thema, die Frage in der Caption oder der Zeitpunkt?
  • Plane den nächsten Monat mit mehr von den drei Gewinnern und lasse ein Thema bewusst weg.

Achte darauf, einzelne Ausreißer nicht zu überschätzen. Ein viraler Beitrag hebt deinen Durchschnitt, ohne dass sich an deinem Content etwas verbessert hat. Deshalb ist der Median über zehn Beiträge oft aussagekräftiger als der Mittelwert. Und beachte: Sobald du Beiträge bewirbst, kommt kalte Reichweite dazu, die selten interagiert. Rechne bezahlte Beiträge deshalb immer getrennt von deinen organischen. Wie du Werbung sinnvoll einsetzt, ohne deine Zahlen zu verwässern, zeigen wir dir unter mehr Follower durch Werbung.

Wenn die gute Engagement Rate ausbleibt: die häufigsten Bremsen

Bevor du an der Content-Qualität zweifelst, prüfe die üblichen Verdächtigen. In den meisten Fällen liegt es an einem dieser Punkte:

  • Gekaufte oder eingesammelte Follower: Konten, die dir aus Follow-for-Follow-Aktionen folgen, blähen den Nenner deiner Formel auf und interagieren nie.
  • Altlasten in der Community: Follower aus einer alten Positionierung interessieren sich nicht für dein heutiges Thema. Das drückt jede Rate.
  • Beiträge ohne Anlass zu antworten: Wo keine Frage, kein Widerspruch und keine Aufforderung steht, passiert auch nichts.
  • Zu breite Themen: Wer alle anspricht, spricht niemanden persönlich an. Enge Nischen bringen fast immer höhere Raten.
  • Fehlende Reaktion von dir: Wenn Kommentare unbeantwortet bleiben, lernt deine Community, dass Antworten sich nicht lohnt.
  • Zu viele Beiträge in kurzer Zeit: Die Interaktion verteilt sich auf mehr Posts, jeder einzelne sieht schwächer aus.

Die ersten Gegenmaßnahmen sind unspektakulär, wirken aber schnell: Stelle in jedem zweiten Beitrag eine echte Frage, antworte innerhalb der ersten Stunde auf jeden Kommentar und nutze Stories als Interaktions-Werkstatt mit Umfragen und Fragesticker. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zur Community-Interaktion auf Instagram. Und wenn die Likes trotz guter Inhalte ausbleiben, hilft die ehrliche Analyse unter warum bekomme ich so wenig Likes.

Tipp aus der Praxis: Zähle Saves und Shares mit, wenn deine Insights sie ausweisen. Speichern ist das stärkste Signal, das ein Beitrag bekommen kann, denn niemand speichert aus Höflichkeit. Ein Beitrag mit wenigen Likes, aber vielen Saves, ist meist deine beste Vorlage für das nächste Karussell oder Reel.

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Häufige Fragen

Welche Engagement-Rate bei Instagram ist gut?

Das hängt vor allem von deiner Kontogröße ab. Unter 1.000 Followern gelten ab 8 Prozent als gut, zwischen 1.000 und 5.000 ab 5,7 Prozent, zwischen 5.000 und 10.000 ab 4 Prozent, zwischen 10.000 und 100.000 ab 2,4 Prozent und über 100.000 Followern ab 1,7 Prozent. Wichtig ist, dass du immer mit derselben Formel rechnest und Saves sowie Shares mitzählst, wenn deine Insights sie ausweisen. Der aussagekräftigste Vergleich bleibt der mit deinen eigenen letzten zehn Beiträgen.

Welche Engagement-Rate auf LinkedIn gilt als gut?

Auf LinkedIn wird die Rate meist auf Basis der Impressionen berechnet, deshalb fallen die Prozentwerte optisch niedriger aus als bei einer Rechnung nach Followern. Kommentare sind hier deutlich wertvoller als Likes, weil sie deinen Beitrag in die Feeds fremder Netzwerke tragen. Statt einer festen Zielmarke solltest du deine eigenen Beiträge über mehrere Wochen vergleichen und schauen, welche Formate Gespräche auslösen. Ein Beitrag mit weniger Reaktionen, aber echten Fachdiskussionen in den Kommentaren, bringt dir geschäftlich meist mehr als ein Beitrag mit vielen stillen Likes.

Sind 1000 Impressionen bei LinkedIn viel?

Das kannst du nur im Verhältnis zu deinem Netzwerk beurteilen. Bei einem Profil mit einigen hundert Kontakten sind 1.000 Impressionen ein solides Ergebnis, bei einem Profil mit mehreren Tausend Kontakten eher Durchschnitt. Aussagekräftiger als die reine Zahl ist, wie viele Interaktionen dabei herauskommen und wer interagiert. Zehn Kommentare von Menschen aus deiner Zielgruppe sind mehr wert als 5.000 Impressionen ohne jede Reaktion.

Wie viel verdient man mit 100.000 Followern?

Eine seriöse Pauschalzahl gibt es dafür nicht, weil Honorare von Nische, Format, Nutzungsrechten und vor allem von der Engagement-Rate abhängen. Marken schauen längst nicht mehr nur auf die Followerzahl, sondern darauf, wie viele Menschen wirklich reagieren. Genau deshalb bekommen kleinere Konten mit hoher Interaktion oft bessere Konditionen pro Follower als große Konten mit einer Rate an der Untergrenze. Wenn du Kooperationen anstrebst, dokumentiere deine Raten, deine Reichweite und deine Zielgruppendaten und lege sie deinem Angebot bei.

Wie oft sollte ich meine Engagement-Rate messen?

Einmal pro Monat reicht für den Überblick, pro Beitrag reicht die Erfassung der Rohdaten. Tägliches Nachschauen bringt vor allem Nervosität, weil einzelne Beiträge stark schwanken. Sinnvoll ist ein fester Termin im Monat, an dem du die letzten zehn Beiträge auswertest und daraus die Themen für den kommenden Monat ableitest. Welche Kennzahlen daneben noch zählen, liest du unter Erfolg auf Instagram messen.

Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.

Porträt von Alex Khan
Über den Autor Alex Khan

Gründer von Attractive Media und Attractive Accounts. Über 15 Jahren Agenturerfahrung mit L’Oréal, WELLA, Immowelt und Dallmayr, dazu über 200.000 Follower auf seinen Kanälen. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.